Versteckte Gefahr unter unseren Füßen
25. Juni 2026
Munitionsbelastete Waldflächen im Landkreis Oberhavel
Der Wald ist für viele Menschen ein Ort der Erholung. Spaziergänger, Radfahrer, Pilzsammler und Hundebesitzer genießen die Natur und verlassen sich darauf, dass von ihr keine unmittelbaren Gefahren ausgehen. Doch besonders in Brandenburg und damit auch im Landkreis Oberhavel gilt: Nicht jeder Wald ist so ungefährlich, wie er auf den ersten Blick erscheint. In vielen Gebieten befinden sich noch immer Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg oder von ehemaligen Truppenübungsplätzen im Boden.
Warum gibt es heute noch Munition im Wald?
Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Gebiete bombardiert. Nach Kriegsende blieben Blindgänger, Granaten und Munition zurück. Hinzu kommen ehemalige militärische Übungsplätze der Wehrmacht sowie der sowjetischen Streitkräfte, auf denen über Jahrzehnte scharfe Munition verwendet wurde.
Viele dieser Kampfmittel liegen seit mehr als 80 Jahren im Boden. Frost, Feuchtigkeit und Korrosion haben ihre Hüllen teilweise stark beschädigt. Dadurch werden sie nicht ungefährlicher – im Gegenteil: Manche Munitionsreste reagieren heute deutlich empfindlicher auf Erschütterungen als unmittelbar nach ihrer Herstellung.
Warum ist Oberhavel besonders betroffen?
Der Landkreis Oberhavel gehört zu den Regionen Brandenburgs, in denen sich mehrere ehemals militärisch genutzte Flächen befinden. Hinzu kommen ausgedehnte Waldgebiete, die während des Krieges oder in der Nachkriegszeit militärisch genutzt wurden.
Besonders in ehemaligen Truppenübungsplätzen oder gesperrten Waldabschnitten muss jederzeit mit Munitionsfunden gerechnet werden. Selbst außerhalb offiziell ausgewiesener Flächen können einzelne Kampfmittel auftreten, da Munition durch Erdarbeiten, Erosion oder Waldbrände freigelegt werden kann.
Welche Munition kann gefunden werden?
Nicht jede Munition sieht wie eine klassische Granate aus. Im Wald können unter anderem gefunden werden:
- Gewehr- und Pistolenmunition
- Maschinengewehrmunition
- Handgranaten
- Mörsergranaten
- Artilleriegeschosse
- Panzerabwehrmunition
- Bombensplitter oder Blindgänger
- Zünder und Sprengkörper
Besonders gefährlich ist, dass stark verrostete Kampfmittel häufig kaum noch als solche zu erkennen sind.
Woran erkennt man mögliche Kampfmittel?
Eine eindeutige Identifikation ist für Laien oft kaum möglich. Dennoch gibt es einige typische Merkmale:
- zylinderförmige oder konische Metallkörper
- stark verrostete Metallteile mit regelmäßiger Form
- sichtbare Gewinde oder Verschlusskappen
- Leitwerke oder Flügelreste
- auffällige Messing-, Kupfer- oder Stahlteile
- ungewöhnlich schwere Metallgegenstände
Auch einzelne Metallteile können Bestandteil eines Sprengkörpers sein. Deshalb gilt: Lieber einmal zu vorsichtig sein als einmal zu wenig.
Die größte Gefahr: Nicht anfassen!
Viele Menschen unterschätzen die Gefahr alter Munition.
Korrosion macht Kampfmittel nicht ungefährlich. Im Gegenteil: Durch Rost können Sicherungsmechanismen versagen oder Sprengstoffe instabil werden. Bereits geringe Erschütterungen, Schläge oder Hitze können ausreichen, um eine Explosion auszulösen.
Deshalb gilt:
- Nicht berühren.
- Nicht bewegen.
- Nicht reinigen.
- Nicht mit Werkzeug untersuchen.
- Keine Fundstücke als Souvenir mitnehmen.
Auch der Einsatz eines Metalldetektors auf belasteten Flächen kann lebensgefährlich sein.
Was tun bei einem Fund?
Sollten Sie einen verdächtigen Gegenstand entdecken:
- Sofort Abstand halten.
- Fundstelle möglichst markieren, ohne den Gegenstand zu berühren.
- Andere Personen warnen.
- Den Fund der Polizei melden (Notruf 110 oder örtliche Polizeidienststelle).
- Den Bereich bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte meiden.
Die Polizei informiert anschließend den zuständigen Kampfmittelbeseitigungsdienst.
Besondere Vorsicht nach Waldbränden oder Stürmen
Nach Waldbränden, schweren Regenfällen oder Stürmen können bislang verborgene Kampfmittel freigelegt werden. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass beschädigte Munition instabil wird.
Verlassen Sie deshalb nach solchen Ereignissen möglichst nicht die ausgewiesenen Wege – insbesondere in bekannten Munitionsverdachtsgebieten.
Sicher unterwegs im Wald
Die meisten Wälder im Landkreis Oberhavel können problemlos genutzt werden. Wer jedoch einige Grundregeln beachtet, reduziert sein Risiko erheblich:
- Auf ausgeschilderten Wegen bleiben.
- Absperrungen und Warnschilder niemals ignorieren.
- Keine unbekannten Metallgegenstände aufheben.
- Kinder über die Gefahren informieren.
- Hunde möglichst auf den Wegen führen.
Fazit
Munitionsbelastete Waldflächen sind in Brandenburg auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine reale Gefahr. Gerade im Landkreis Oberhavel treffen große Waldgebiete auf ehemalige militärische Nutzungen. Die größte Sicherheit bietet ein einfacher Grundsatz: Verdächtige Gegenstände niemals anfassen.
Wer aufmerksam bleibt, Warnhinweise beachtet und Funde umgehend meldet, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere Waldbesucher und die Einsatzkräfte, die sich um die sichere Beseitigung der Kampfmittel kümmern.